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Das Selbstbild bei Feldenkrais

„Jeder Mensch handelt nach dem Bild, das er sich von sich selbst macht.“ – Moshé Feldenkrais

In seinem Buch „Bewusstheit durch Bewegung“ schreibt Moshé Feldenkrais, dass jemand, der sein Verhalten verändern möchte, eigentlich sein Selbstbild verändern muss.

Selbstbild_Tafel

Unser Selbstbild ist uns so nahe und vertraut, dass wir normalerweise gar nicht darüber nachdenken. Andererseits ist der Begriff komplex und schwer zu fassen, da es sich um ein sprachliches Konstrukt handelt und nicht um ein konkretes Bild, das man vor sich hinstellen und anschauen kann. Im Grunde genommen ist „Bild“ gar nicht das treffende Wort. Man könnte „Selbstbild“ auch als eine Art dynamisches Netzwerk von Wahrnehmungen, Ideen und Gewohnheiten beschreiben, die einem Menschen das Gefühl geben, sich selbst zu sein, und die sein Handeln lenken.

In der Psychologie bezeichnet der Begriff Selbstbild die Vorstellung, die jemand von sich selbst hat. Für Moshé Feldenkrais ist es eng mit dem Körperbild verknüpft. Es umfasst sowohl die Form und die Beziehung der Körperteile zueinander als auch räumliche und zeitliche Bezüge sowie kinästhetische Empfindungen, Gefühle und Gedanken. Alle Bestandteile sind aufs innigste miteinander verwoben und bilden ein untrennbares Ganzes. Dieses ist dynamisch und ändert sich von Handlung zu Handlung. Aber all unsere Handlungen haben die Tendenz, mit der Zeit zur Gewohnheit zu erstarren – Gewohnheiten, die wiederum unsere Selbsterfahrung prägen. Wenn wir mit Schmerzen, Verletzungen oder anderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sind diese auf allen Ebenen des Selbstbildes repräsentiert.

Wie können wir auf dieses komplexe Ganze zielgerichtet einwirken?

Moshé Feldenkrais große Stärke war es, abstrakte Ideen in konkretes Tun zu übersetzen. Sein Ansatz konzentriert sich auf den motorischen Aspekt des Selbstbildes, da aber alle anderen Aspekte in die Bewegung eingewoben sind, werden sie – so Feldenkrais These – ebenfalls beeinflusst.

Jede Feldenkrais-Lektion soll im Grunde eine Klärung des Selbstbildes bewirken und damit auch eine Klärung des Handelns. Ideal wäre, wenn das Resultat einer Handlung möglichst genau der Absicht entspricht, die ihr zugrunde liegt. Dies ist jedoch nur selten der Fall, da viele unbewusste Spannungen die Ausführung beeinträchtigen können.

Um unser Handeln bewusst verändern zu können, müssen wir die Körperteile spüren, die an der Handlung beteiligt sind. Daher beginnen wir eine Feldenkrais-Stunde fast immer mit einer bewussten Wahrnehmungsreise durch den Körper. Normalerweise spüren wir die Stellen am deutlichsten, deren wir uns auch im Alltag am meisten bedienen. Die verschwommenen, unklaren, stummen Bereiche sind nur indirekt und unbewusst in die Alltagshandlungen eingebunden. Genau diese spielen jedoch oft eine bedeutende Rolle bei Beschwerden und Schwierigkeiten. Sie gilt es allmählich aufzuspüren und zu integrieren.

Ein vollständiges Selbstbild – also eine gleichmäßige Bewusstheit für alle Aspekte des Selbst und des Körpers – ist allerdings ein kaum zu erreichendes Ideal. Alles was wir normalerweise tun, ist den Grenzen unseres gewohnten Selbstbildes unterworfen, welches häufig nur einem schmalen Ausschnitt des Idealbildes entspricht. So schätzen beispielsweise die meisten von uns bei geschlossenen Augen die Größenverhältnisse innerhalb des Körpers sehr ungenau ein. Die Differenz zwischen Selbstbild und Wirklichkeit kann folglich recht groß sein, was auch die Resultate unserer Handlungen beeinträchtigt. Wie wir unseren Kopf halten, die Schultern, den Bauch, wie wir stehen, gehen oder uns setzen, beruht auf diesem subjektiven, zum Teil verzerrten, verkleinerten oder aufgeblasenen Bild unserer selbst.

Während einer Feldenkrais-Stunde beobachten wir unser Selbstbild in Aktion. Damit es möglich wird, viele, ungewohnte Details und Zusammenhänge zu erkennen, bewegen wir uns langsam, achtsam und mit möglichst wenig Muskelkraft. Feldenkrais-Lektionen sind außerdem so aufgebaut, dass uns allmählich die Geometrie und die natürliche Funktionsweise unseres Körpers immer klarer werden. Wenn wir die Methode regelmäßig praktizieren, verringern wir auf systematische Weise die genannte Differenz zwischen Selbstbild und Wirklichkeit, was langfristig viel wirksamer ist, als es die bloße Korrektur einzelner Handlungen wäre.

Moshé Feldenkrais vergleicht die durch seine Methode mögliche Verbesserung der Dynamik des Selbstbildes mit dem Stimmen eines Musikinstruments. Wenn wir gut gestimmt sind, bekommen unsere Handlungen zunehmend harmonische Qualitäten, sie werden leichter, wirksamer und nicht zuletzt schöner!

Übrigens: Bis April 2015 ist das Selbstbild der Themenschwerpunkt im fortlaufenden Gruppenkurs im Bewegungsatelier Leipzig

 

 

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Gerald Hüther im Gespräch

Ich möchte euch dieses sehr inspirierende und Mut machende Gespräch mit dem Neurobiologen Gerald Hüther ans Herz legen. Hüther ist ein Wissenschaftler, der Brücken bauen möchte zwischen Forschung und täglicher Lebenspraxis. Er sagt, dass Wissenschaft dafür da sei, Lösungen zu finden für die Probleme der jeweiligen Zeit, und dass sie erst dann wirklich etwas schafft, wenn die Menschen draußen damit etwas anfangen können.

In diesem Gespräch geht es um das Hirn als soziales Produkt, um die Bedeutung der Begeisterung für das Lernen, um die Entwicklung einer neuen Kultur des Zusammenarbeitens, um Freiheit, Liebe, Wachstum und Weiterentwicklung. Nicht zuletzt geht es darum, dass das Potential, das wir in uns tragen nur von unten nach oben wachsen kann und jeder Einzelne bei sich selbst beginnen kann…

Link zur NDR Radiosendung: Gerald Hüther im Gespräch

(NDR Sendung 26.12. 2011 | Gerald Hüther im Gespräch mit Kirsten Pape)

Halte den Kanal geöffnet

Martha Graham, dancer and choreographer Deutsc...

Image via Wikipedia

Es gibt eine Vitalität, eine Lebenskraft, eine Energie, eine Regung, die durch dich in Handlung umgesetzt wird.
 Und da es dich über alle Zeiten hinweg nur einmal gibt, ist dieser Ausdruck einzigartig.
 Wenn du ihn blockierst wird er niemals durch ein anderes Medium existieren und er wird verloren sein. Die Welt wird ihn nicht erleben.

Es ist nicht deine Aufgabe zu entscheiden, wie gut er ist oder wie wertvoll noch wie sich er im Vergleich mit Anderen schlägt.
 Es ist deine Aufgabe, ihn als den Deinen zu erhalten, klar und direkt, und den Kanal geöffnet zu halten.

Du musst nicht einmal an dich selbst oder an deine Arbeit glauben. Du musst nur offen und wach für all die Antriebe bleiben, die dich motivieren. Halte den Kanal geöffnet! (…) Es gibt keine endgültige Befriedigung. Es gibt nur eine seltsame, heilige Unzufriedenheit, eine gesegnete Unrast, die uns weiter gehen lässt und uns lebendig hält.

(Frei nach Martha Graham)

Lebensträume

„A healthy person is one who can live fully his unavowed dreams.“ – (Moshé Feldenkrais, „On Health.“ Dromenon, 1979)

Haben die Träume deiner Kindheit einen Platz in deinem Leben als Erwachsener? Tust du das, was du bewusst oder unbewusst schon immer gerne getan hättest? Hast du das Gefühl, auf dem für dich richtigen Weg zu sein?

Moshé Feldenkrais Maß für Gesundheit war nicht die An- oder Abwesenheit von Krankheit, sondern die Fähigkeit eines Menschen, seine bewussten und unbewussten Träume zu leben! Dabei dachte er vor allem an die sinnesreichen Träume, die wir in der Kindheit und Jugend hatten, bevor all die praktischen Themen des Lebens unser Verhalten zu dominieren begannen. Vielleicht der Wunsch zu malen, Gedichte zu schreiben, zu tanzen, zu singen, Theater zu spielen oder eine Weltreise zu unternehmen – um nur wenige markante Beispiele zu nennen. Vielleicht handelt es sich auch um eine spezielle, ganz individuelle Art und Weise, eine bestimmte Tätigkeit auszuführen und das eigene Leben zu gestalten. Wir alle haben solche Träume während wir aufwachsen. Oft beinhalten sie die Sehnsucht, einen einzigartigen Aspekt der eigenen Persönlichkeit mit Anderen und der Welt zu teilen. Etwas, das uns ganz und gar mit Lebendigkeit, Präsenz und Freude erfüllt, etwas, das uns spüren lässt, wer wir im Grunde wirklich sind.

Es scheint heute nahezu eine Kunst zu sein, ein Leben zu führen, bei dem man sowohl mit den eigenen Träumen in Kontakt bleiben als auch seinen Verpflichtungen angemessen nachkommen kann. Dabei dürften diese beiden Aspekte des Lebens kein Widerspruch sein, im Gegenteil: Für ein erfülltes, vitales und befriedigendes Leben müssen sie Hand in Hand gehen!

Lebensumstände oder eine Arbeit, die sämtliche Träume und tieferen Aspekte des Selbst außen vor lassen, können weder erfolgreich noch gesund sein. Wenn die Anforderungen der sozialen und beruflichen Rollen so dominant werden, dass die Lebensbalance in eine schwere Schieflage gerät, fühlen wir uns nicht nur gestresst, sondern tief innen auch unehrlich uns selbst gegenüber, weil ein wesentlicher Teil fehlt. Dieses Gefühl, irgendwie unvollständig zu sein, kann etwas Gutes haben und uns zu den Träumen zurückführen, die uns tief im eigenen Inneren motivieren und antreiben.

Meine Erfahrung ist: Wenn man über längere Zeit regelmäßig Feldenkrais praktiziert, stößt man allmählich unweigerlich auf die tieferen Motivationen und verborgenen Träume, die in einem schlummern. Diese Art der achtsamen, ganzheitlichen Körperarbeit hilft einem, Stück für Stück besser zu erkennen wer man wirklich ist und drängt einen dazu, dem Leben zu verleihen, was man entdeckt.

„Auch in unserer Kultur gelingt es Einigen, ihren gesunden Lebensprozess bis ins hohe Alter zu kultivieren – ein Alter in dem die Ungesunden bereits kauzig und krank sind. (…) Der herausragende Unterschied zwischen solch gesunden Leuten und den Anderen ist, dass sie, sei es per Zufall, durch Genie oder weil sie einen gesunden Lehrer hatten, herausgefunden haben, dass Lernen das Geschenk des Lebens ist. Sie lernen zu erkennen, wie sie handeln und sind deshalb in der Lage zu tun, was sie wollen – ihre verborgenen und zuweilen bewussten Träume intensiv zu leben.“ – (Moshé Feldenkrais, „On Health.“ Dromenon, 1979)

Zusammen mit meiner Kollegin Kerstin Graß, die als Personal Coach ein wirksames Handwerkszeug besitzt, mit dessen Hilfe man an der Verwirklichung seiner Träume arbeiten kann, biete ich am 3. und 4. Februar 2012 ein Wochenendseminar „Inspiration Lebenstraum an. Es soll eine Werkstatt sein, in der die Teilnehmenden mit den Quellen der eigenen Träume in Kontakt treten können. Feldenkrais-Stunden, Imaginationsübungen und verschiedene Coaching-Techniken werden einen sicheren, gut geführten Rahmen bieten, um sich mit den schlummernden oder bereits erwachenden Lebensträumen auseinander setzen zu können und erste Schritte zu ihrer Verwirklichung zu finden. (Mehr unter Cordoror)