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Achtsamkeit

Alles, was wir tun, fühlen, denken und lernen hat seine Wurzel in Bewegung! Moshé Feldenkrais formulierte sehr radikal: „Bewegung ist Leben. Ohne Bewegung ist Leben undenkbar“ und führende Neurobiologen sagen, Bewegung sei die Sprache des Gehirns.

Es gibt allerdings zweierlei Arten, sich zu bewegen: Automatisierte Bewegung und Bewegung, die mit Achtsamkeit ausgeführt wird. Diesen Unterschied zu verstehen, kann der Schlüssel sein, um Einschränkungen, Schwierigkeiten und zuweilen sogar Schmerzen zu überwinden.

DSCN8051Beide Arten von Bewegung sind wichtig und lebensnotwendig. Automatisierte Bewegung erlaubt es uns, viele Handlungen des täglichen Lebens auszuführen wie beispielsweise zu gehen, zu sprechen, zu kochen, zu schreiben, Auto zu fahren und Unzähliges mehr. Wenn wir jedoch Schwierigkeiten überwinden, bestehende Bewegungsgewohnheiten verändern oder eine neue Fertigkeit erlernen wollen, müssen wir unsere volle Aufmerksamkeit auf die Qualität der Bewegung richten und auf das sensorische Feedback horchen, das von den peripheren Rezeptoren in den Gelenken, den Faszien, den Muskeln und der Haut zurück ans zentrale Nervensystem gesendet wirdBewegung „einfach nur so“, ohne auf die Ausführung zu achten, hat wenig Wirkung, wie neuro-wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Je automatischer Bewegungen ausgeführt werden, desto weniger können sie den natürlichen Drang des Gehirns nach Entwicklung befriedigen. Wenn wir in Schwierigkeiten sind und uns einfach drauflos bewegen, können wir uns sogar noch viel mehr in Schwierigkeiten bringen.

Wenn wir uns hingegen nur ein paar Sekunden Zeit nehmen und anfangen, auf das zu achten, was wir tun, und fragen: Wo befinden sich die Füße, was machen die Wirbelsäule, die Rippen, der Kopf etc. dann beginnt ein völlig anderer Prozess im Gehirn. Wenn wir dies tun, beginnt unser Gehirn tatsächlich sehr schnell, unzählige neue Verbindungen zu knüpfen und damit neue Bewegungsmöglichkeiten zu generieren. Das menschliche Gehirn organisiert sich buchstäblich mittels Bewegung und die, durch Achtsamkeit gewonnenen, sensorischen Informationen dienen dabei als Treibstoff. Diese Veränderungen der Hirnaktivität können schnell zu klarerem Denken, leichteren Bewegungen, weniger Schmerz und wirkungsvolleren Handlungen führen. Mit einem so systematischen Vorgehen, wie es die Feldenkrais-Methode ermöglicht, können sogar allmählich Handlungen möglich werden, die wir früher für unmöglich gehalten haben.

Das Prinzip „Bewegung + Achtsamkeit“ kann auf jede beliebige Bewegung angewandt werden, sei es im Alltag bei Routinetätigkeiten wie Staubsaugen, Zähneputzen oder Abwaschen, sei es beim Training einer Sportart, beim Yoga oder sogar beim Workout.

Probiere es aus!

 

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Acht Schlüssel-Prinzipien der Feldenkrais-Methode

Die Wirkungsweise der Feldenkrais-Methode beruht darauf, dass wir anhand von Bewegung mit dem Gehirn interagieren und es dazu anregen, neue Muster zu bilden. Wir nutzen in der Feldenkrais-Methode Bewegung, aber im Gegensatz zu vielen anderen Methoden, benutzen wir sie nicht mit der Absicht, Muskeln zu dehnen oder zu trainieren, sondern Veränderungen im Gehirn herbei zu führen. Es gibt einen natürlichen Drang des Gehirns sich zu entwickeln und immer präziser, wirksamer und angemessener mit der Umwelt zu interagieren. Dieser natürliche Prozess wird heute unter dem Begriff Neuroplastizität immer bekannter: Die Fähigkeit des Gehirns, jederzeit neue Verbindungen zu knüpfen – seine eigentliche Aufgabe ein Leben lang.

Acht-Arbeitsprinzipien für Bewusstheit durch Bewegung

Acht-Arbeitsprinzipien für Bewusstheit durch Bewegung

Damit das Gehirn seine Arbeit gut verrichten kann, müssen wir es mit den entsprechenden Informationen versorgen. Wenn wir die folgenden acht Schlüssel-Prinzipien in Verbindung mit Bewegung anwenden, beliefern wir es mit jenen sensorischen Informationen, die es benötigt, um aufzuwachen, zu wachsen und neue Bewegungs-, Gefühls-, Denkmuster zu bilden. Dadurch können wir allmählich gewohnheitsbedingte Einschränkungen und Schmerzen überwinden sowie das Spektrum der individuellen Handlungsfähigkeit erweitern und verfeinern. Darüber hinaus entwickeln wir die nötigen Mittel, um unsere natürliche Beweglichkeit bis ins hohe Alter zu erhalten.

Moshé Feldenkrais nannte seine Gruppenarbeit »Bewusstheit durch Bewegung«. Bewusstheit ist unsere Fähigkeit, zu wissen, dass wir wissen, unsere Fähigkeit, uns selbst zu beobachten. Bewusstheit ist ein essentieller Grundbaustein für Selbsterkenntnis und unverzichtbar für wirkliches, tiefgreifendes Lernen. Wenn wir ohne Bewusstheit handeln, handeln wir automatisch und wissen manchmal nicht einmal, dass wir etwas tun. Aber,frei nach Moshé Feldenkrais: Nur wenn wir wissen, was wir tun, können wir tun, was wir wollen. Es ist wie eine Landkarte – unsere eigene innere Lebenslandkarte.

Wenn wir diese Arbeitsprinzipien auf unsere Bewegungen anwenden, erreichen wir genau dies: Bewusstheit durch Bewegung.

In den nächsten Monaten werde ich auf dieser Seite die einzelnen Prinzipien näher vorstellen. Klicke in der Kategorien-Wolke auf Arbeitsprinzipien, um weitere Artikel zu dem Thema zu finden.